Lüttville 2010

luttville2010

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Dokumentation der Medienakademie Hamburg:


Lüttville, ja das sind wir,
wir Kinder, die alles ausprobieren,
alles einfach ausprobieren.
(Aus der Textschmiede des Rap-Workshops)

Vom 02. bis 07. August 2010 fand das Lüttville Sommercamp zum dritten Mal als großes Gemeinschaftswerk auf dem verträumten Dockville-Gelände am Reiherstieg in Hamburg-Wilhelmsburg statt. 125 Kinder und Jugendliche der Elbinsel haben das Gelände für ein Woche auf ihre Weise erkundet und bespielt. Sie konnten in Workshops konzentriert an Choreografien arbeiten, die Tierwelt erforschen, malen, bauen, experimentieren, mit den Teilnehmern des Dockville-Künstlercamps in Austausch treten, den Zimmermännern des Dockvilledorfes über die Schulter schauen, in Fluchtkapseln dem Alltag entfliehen oder einfach nur spielen.

Diese Vielfalt an Tätigkeiten und Anknüpfungspunkten hat nicht nur den Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten der Ferienaktivitäten und Berufsorientierung eröffnet, sondern auch Synergieeffekte bei allen anderen Beteiligten freigesetzt. So waren beispielsweise die Künstler von der direkten und ungehemmten Herangehensweise der Kinder an die Kunstwerke begeistert und konnten diese als Inspiration bei Ihrer parallel zum Lüttville stattfindenden Arbeit nutzen. So war auch in diesem Jahr wieder die für das Lüttville mittlerweile charakteristisch gewordene spannende, aber entspannte Stimmung des Austausches und Miteinanders deutlich zu spüren. Die Kinder und Jugendlichen fühlten sich schnell zu Hause auf dem Lüttville, die Eltern schenkten dem Lüttville-Team schnell ihr Vertrauen und die Workshopanbieter und Betreuer hatten große Freude an der Arbeit den Kids. Die Teilnehmergruppe ist sehr heterogen. Auf dem diesjährigen Lüttville waren sowohl Kinder von fünf Jahren als auch Jugendliche über 15. Eine größere Gruppe kam aus einer der vielen Hamburger Wohnunterkünfte, welche vom Spielmobil Falkenflitzer in Harburg betreut werden, viele kamen aus Kirchdorf Süd, Wilhelmsburg Mitte, dem Reiherstieg Viertel oder von der Veddel. Eine kleinere Gruppe von Teilnehmern hat auch den Sprung über die Elbe gemacht und fuhr täglich aus nördlicheren Stadtteilen Hamburgs an. Diese Heterogenität konnte in dem Kontext einer freiwilligen, kreativen Ferienveranstaltung, in der persönliche Interessen und nicht schulische Noten im Vordergrund stehen, positiv in einem Voneinander lernen umgesetzt werden.

Dass das gesamte Workshopangebot, der Transfer im roten Doppeldecker von zu Hause und zurück, die gesunden Pausensnacks und die Betreuung durch insgesamt 60 Erwachsene für unsere kleinen Teilnehmer komplett kostenlos genutzt werden konnte, ist nur möglich, weil das Lüttville mittlerweile ein breit aufgestelltes Gemeinschaftswerk ist. Und dies ist es in institutioneller, finanzieller, kooperativer und personeller Hinsicht:

Zum einen ist der institutionelle Träger des Sommercamps der gemeinnützige Verein „Lüttville – Verein zur Förderung der kulturellen Vernetzung und Bildung“, der, wie der Name bereits sagt, eigens für die Organisation und Durchführung des Sommercamps Anfang des Jahres gegründet wurde. Hier arbeitet ein Team von ehrenamtlichen Mitgliedern an der Koordination des Lüttvilles.

Zum anderen ist das Sommercamp finanziell auf mehrere Säulen gestellt, wobei die Hauptteil von der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg getragen wird, da das Lüttville die Ziele der Bildungsoffensive Elbinsel umsetzt. Daneben gibt es noch wichtige Sponsoren wie die Firma Capital Intermodal, die Stiftung Maritim, die Hamburger Sparkasse, das Unternehmen Drift – Norddeutsch für Energie und das Dockville Festival, durch die das Lüttville – teilweise schon mehrere Jahre – Unterstützung und Wertschätzung erfährt.

Weiterhin ist das Lüttville ein stetig wachsendes Kooperationsnetzwerk. Neben den Institutionen der Elbinsel wie dem Spielmobil Falkenflitzer, der Gesamtschule Wilhelmsburg, das Haus der Jugend Kirchdorf, der Bauspielplatzes Galgenbrack, das Forum Bildung Wilhelmsburg, dem Zirkus Willibald, der Wilhelmsburger Tafel und dem Krankenhaus Großsand arbeitet der Verein mit den Harburger Johannitern und neuerdings mit der Grone Stiftung und dem Kulturpalast in Billstedt zusammen. Aus diesen Institutionen kommen viele unserer Workshopanbieter/innen, Betreuer/innen oder auch einfach Sachmittel. Dabei beruht die Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit: Während Lüttville beispielsweise die Kinderbetreuung beim Tag der offenen Tür beim Krankenhaus Großsand übernommen hat, hat das Krankenhaus uns mit ihren Bussen bei dem Transfer der Kinder geholfen. In diesem Jahr haben wir außerdem mit dem Kulturpalast einen stadtteilübergreifenden Austausch, der vom Kulturausschuss des Bezirks Mitte unterstützt wird, ins Leben gerufen. Dieser besteht aus dem gegenseitigen Besuch auf den jeweiligen Veranstaltungen der Anbieter, was für die Kinder auch in den kommenden Jahren den Aktionsradius in Hamburg erweitern soll.

Zuletzt konnte das Lüttville auch 2010 wieder auf die großartige Hilfe von vielen motivierten Workshopanbieter/innen, Betreuer/innen, Küchengehilfen und Handwerkern, die größtenteils ehrenamtlich mitwirkten, bauen. Das Team bestand sowohl aus Jugendlichen, die ein Praktikum absolviert haben, als aus erfahrenen Pädagogen, die Gruppenspiele mit über 100 Teilnehmern aus dem Ärmel schütteln können. Auch auf dieser Ebene funktionierte das voneinander Lernen.

Was haben die Kinder und Jugendlichen nun konkret auf dem Lüttville 2010 gemacht?

Im Bauworkshop von Thorsten Zeidler (Baui Galgenbrack) haben die Kinder einen Bollerwagenaufbau gebaut und gestaltet, mit dem wir kürzlich das Lüttville auf dem KidsMove der BilleVue repräsentiert haben.

Bei den Escape Vehicles von Tom Hartmann (Falkenflitzer) haben die Kinder in echten ausrangierten Autos ihre eigene Alltagsfluchtkapsel gebaut und auch gleich benutzt.

Im Malworkshop von Andrea Tomczak und Jan-Hendrik Holst haben die Kinder auf großen Papieren und Leinwänden ihre Zeichenkünste verbessern können.

In der Tierwelt von Julia Viebranz wurden erst die Insekten des Geländes erforscht und dann in riesigen Pappmascheefiguren nachgebaut, die auch noch den Dockville Besuchern das fürchten lehrten.

Im Fotoworkshop von Herbert Wagner (Haus der Jugend Kirchdorf) wurden Fotogramme, Chemiegramme und Lochkameras hergestellt und der Prozess genauestens beobachtet.

Bei Graffiti von Gerrit Peters aka Tasek (HipHopAcademy Hamburg) haben die Kids Schriftzüge entworfen, den Umgang mit der Spraydosegeübt und dann ihre Entwürfe an die Wände der Dockville-Hallen gebracht.

Beim Zirkus von Martin und Bernd (Zirkus Willibald) haben 25 Kinder eine Show für unser Abschlussfest einstudiert. Einige Teilnehmer, für die dies komplettes Neuland war, standen am Ende mit drei Bällen jonglierend auf dem Balancierball!

Auch der Rap-Workshop von Jan Holler hat eine Abschlusspräsentation eingeübt, bei dem sechs coole Nachwuchstalente auf ihren Namen reimten und eine Lüttville-Hymne geschrieben haben (s.o.).

Beim Zeitgenössischen Tanz von Heiko Büter (Making a Move/Grone Netzwerk) haben die Falkenflitzerkinder eine Choreographie von Jugendlichen aus dem Grone-Netzwerk beigebracht bekommen und mal eben zeitgenössischen Tanz mit ihrem Beatbox-Talenten kombiniert.

Unser Höhepunkt und Aushängeschild auf dem Dockville-Festival war der New Style Workshop von Tobias Galke (HipHopAcademy Hamburg). Hier wurde eine Choreografie zum Lied „Disko“ unseres Dockville-Headliners Jan Delay einstudiert und bei dessen Konzert vor 15.000 begeisterten und verregneten Zuschauern aufgeführt.

Nebenbei gab es noch Erste Hilfe Kurse der Johanniter und in diesem Jahr besonders gesundes Essen, welches eine unserer Helferinnen mit den Sachspenden der Wilhelmsburger Tafel realisieren konnte. Erstaunlicher Weise hatten die Kinder die Schokopuddings aus dem letzten Jahr vergessen und forderten mehr Dipp für ihre Rohkost!

Unser Team vom Lüttville e.V. ist von der Unterstützung von unterschiedlichster Seite mal wieder völlig überwältigt und freut sich schon wieder auf das nächste Jahr, in dem wir die Vernetzung weiter voranbringen möchten und das Workshopangebot weiter nach Altersgruppen differenzieren möchten und die Anschlussstellen für Jugendliche, die mit uns zusammenarbeiten möchten, verstärken. Denn wie wir auch 2010 wieder feststellen konnten, ist Lüttville längst nicht mehr nur Bildung für die Lütten!